Inhalt
Im Gespräch über den Roman „Sohn ohne Vater“ eröffnet Feridun Zaimoglu eine vielschichtige Perspektive auf Migration als biografischen und emotionalen Prozess. Im Zentrum steht die Reise von Deutschland in die Türkei – zum Grab des verstorbenen Vaters. Diese Reise ist mehr als ein geografischer Ortswechsel: Sie wird zu einer Bewegung durch Erinnerung, Auseinandersetzung und Selbstverortung.
Der Vater erscheint dabei als Figur der ersten Generation – als Arbeiter, der zwischen zwei Ländern lebte, geprägt von Verantwortung, Erwartung und oft auch von inneren Widersprüchen. Zwischen Autorität und Fürsorge, Distanz und Nähe entsteht ein komplexes Bild, das exemplarisch für viele Familiengeschichten der Arbeitsmigration steht.
Die Reise im Roman führt nicht nur an einen konkreten Ort, sondern in eine familiäre Zwischenwelt – einen Raum, in dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen. Hier werden Fragen neu gestellt, die oft lange unausgesprochen bleiben: über Zugehörigkeit, über Brüche in der eigenen Biografie und über das Verhältnis zwischen den Generationen.
Diese literarische Perspektive wird im Gespräch mit der filmischen Arbeit „Heimaterde – Letzte Ruhestätte Türkei“ verbunden. Die Reportage begleitet die Überführung eines türkischen Gastarbeiters in sein Heimatdorf am Schwarzen Meer und zeigt eindrücklich, wie Migration auch über den Tod hinaus wirksam bleibt. Rituale, bürokratische Prozesse und familiäre Verantwortung machen sichtbar, wie stark die Bindung an Herkunftsorte fortbesteht – und wie komplex die Frage nach der „letzten Heimat“ ist.
Die Veranstaltung verbindet damit zwei Zugänge: Literatur und dokumentarische Beobachtung. Beide eröffnen unterschiedliche, sich ergänzende Perspektiven auf Migration als gelebte Realität – jenseits abstrakter Debatten.
- Unterrichtsart
- Präsenzunterricht
